Wenn die intuitive Singleitung auf einmal eine spirituelle Tiefe bekommt…
Es ist Donnerstag am späten Vormittag, und ich sitze an den Vorbereitungen für die Kinderchorprobe, die am Nachmittag stattfinden wird. Eine meiner Hauptaufgaben als Kinderchorleiterin sehe ich darin, kreative Möglichkeiten zu finden, wie wir uns die Texte besonders gut merken und sie später möglichst ohne Anstrengung in unseren Erinnerungen wiederfinden können. Oft eignen sich passende Bewegungen, mit denen die Inhalte sozusagen pantomimisch dargestellt werden. Schon so manches Mal wurde ich von beeindruckten Zuschauern und Zuhörern angesprochen, wie faszinierend es sei, dass die Kinder sich zusätzlich zu den Texten auch noch die Choreographie merken könnten, dabei waren die kleinen Sängerinnen und Sänger nur deshalb so textsicher, weil sie sich die Worte mit dem ganzen Körper eingeprägt hatten.
Am Sonntag werden wir als Kinderchor den Erntedank-Gottesdienst in meiner Kirchengemeinde mitgestalten. Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil es die Gruppe erst seit vier Wochen gibt und sich erst vor dreieinhalb Wochen geklärt hat, dass wir in diesem Gottesdienst für eine andere Kinderchorgruppe einspringen werden. Gemeinsam mit allen Anwesenden werden wir das Lied “Danke” in einer besonderen Erntedank-Textfassung singen. Bei diesem Lied fällt es mir schwer, darstellende Bewegungen zu finden. “Danke für all die guten Gaben, danke, du machst die Äpfel rot…” und weitere Aufzählungen brauchen eine andere Form der Visualisierung, und so entscheide ich mich, zu jeder Textzeile ein passendes Bild zu malen. “Danke für all die süßen Trauben und das täglich Brot” ist leicht zu zeichnen, ebenso die Bilder zu den Strophen mit Getreide und Gemüse, Sonne und Regen.
Doch dann kommt die vierte Strophe: “Danke für deinen reichen Segen.”
Wie zeichnet oder malt man Segen? Wie sieht Segen aus oder wie kann man sich Segen vorstellen? Aus der benachbarten Stadt hatte ich mitbekommen, dass dort junge Pastorinnen gelegentlich Glitzer oder Konfetti verwenden, um Segen anschaulich und begreifbar zu machen. Die Idee gefällt mir, doch gemalter Glitzer oder gemaltes Konfetti scheint mir nicht die beste Lösung für mein aktuelles Projekt zu sein. Ich lege die Stifte weg, gehe ein bisschen umher und lasse meine Gedanken schweifen.
Es dauert nicht lange, bis sich ganz intuitiv ein inneres Bild verdichtet: So funkelnd wie Glitzer, so bunt wie Konfetti, irgendwie geheimnisvoll und faszinierend, doch nicht greifbar oder anfassbar – so wie Seifenblasen. Dieses Bild kann ich den Kindern so erklären, dass es sich für mich stimmig anfühlt, also wird es funktionieren. Zudem sind Seifenblasen einfach zu zeichnen: Freihand ein paar Kreise aufs Papier, die Ränder abschnittweise in verschiedenen hellen Farben nachziehen. Auch in den Bildern der nächsten Zeilen finden Seifenblasen ihre Plätze: “… danke, du lässt uns nie allein; danke, auf allen unser’n Wegen willst du bei uns sein.”



An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein, doch zuerst wird es Samstagmorgen. Um acht klingelt mein Wecker, denn um zehn beginnt die Generalprobe für den Erntedank-Gottesdienst. Ich stehe auf und öffne mein Fenster sperrangelweit. Mir strömt eine angenehm frische und deutlich nach Herbst duftende Morgenluft entgegen. Spontan nehme ich eine Dose Seifenblasen aus der Fensterbank, die dort schon seit Monaten steht. Seit dem späten Frühjahr ist es für eine ganze Weile mein Morgenritual gewesen, als erstes einige Seifenblasen in den Tag zu pusten, verbunden mit meinen Wünschen und Ideen für die vor mir liegenden nächsten Stunden. An diesem Samstag ist es schon eine Weile her, dass ich den Tag zum letzten Mal so begonnen habe. Um so mehr freue ich mich, dass Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Windstärke heute scheinbar optimale Bedingungen für Seifenblasen bieten. Die schillernden Kugeln stehen fast still vor meinem Fenster, bevor sie langsam davon schweben und um die Hausecken herum aus meinem Blickfeld verschwinden.
Auch hier könnte die Geschichte zu Ende sein, doch in Wirklichkeit beginnt sie erst eine halbe Stunde später, als mein Mann zu mir in die Küche kommt, aus dem Fenster zeigt und fragt: “Warum ist da eine Seifenblase?” Ich muss mich auf die Zehenspitzen stellen, um zu sehen, was er mit einem Blick entdeckt hat: Vor dem Küchenfenster, mitten in einem Rosenstrauch, liegt eine Seifenblase, als wäre sie auf Watte gebettet. Ich traue meinen Augen kaum, ziehe mir direkt meine Latschen an und springe in den Garten. Als ich um die Hausecke schaue, staune ich noch mehr – nicht nur eine, sondern vier Seifenblasen liegen in den Zweigen der Dünenrose und schillern in der Morgensonne. Auch als ich noch näher heran gehe und die Pflanze vorsichtig berühre, bleiben die zarten Kugeln unversehrt, und ich spüre tief in mir eine solch große Faszination, dass ich fast sprachlos bin. Segen – so funkelnd wie Glitzer, so bunt wie Konfetti, irgendwie geheimnisvoll und faszinierend, doch nicht greifbar oder anfassbar, und so unerklärlich, so wundervoll wie vier Seifenblasen, die an diesem besonderen Samstagmorgen in einem Rosenstrauch liegen geblieben sind, scheinbar um mir zu sagen, dass alles gut werden wird.
Heute Vormittag, vier Tage nach dem Donnerstag, an dem die Geschichte ihren Anfang nahm, bekam ich eine Nachricht von meiner Mutter: „Heute ist der Tag der Seifenblasen.“ Sag mal ehrlich – mehr Magie geht nicht, oder?!?
In diesem Sinne wünsche ich dir einen „gesegneten“ Oktober!
Liebe Grüße von
Dagmar
PS: Du möchtest mehr wissen?
- Mehr Informationen über den „International World Bubble Day“ findest du zum Beispiel unter https://www.kuriose-feiertage.de/welt-seifenblasen-tag/.
- In 2027 möchte ich die „Intuitive Singleitung“ mit in mein Kursangebot aufnehmen, also kreative Workshops für Menschen, die privat oder beruflich mit Kindern singen. Lass mich gern wissen, wenn du daran interessiert bist. Unter Kontakt findest du verschiedene Möglichkeiten, wie du mich erreichen kannst.
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