farbiges Glockenspiel

Dürfen Profis sich zu gut für Pädagogik sein?

Ende November letzten Jahres habe ich in einem Radiobeitrag über die Ergebnisse der Studie „MiKADO-Musik“ (kurz für: „Mangel an Nachwuchs im Künstlerisch-Pädagogischen Bereich an Ausbildungsinstituten in Deutschland und Oesterreich“) gehört, Absolventen einer Musikhochschule dürften sich nicht „zu gut für Pädagogik“ sein. Ist das so? Kann ich dem zustimmen?

Meine Antwort ist ganz klar: Nein!

Stell dir vor, da hat jemand bereits mit drei oder vier Jahren seine große Liebe zu einem Musikinstrument entdeckt, hat schon als Kind davon geträumt, einmal allein oder mit einem großen Orchester auf der Bühne zu stehen, ist auch in der Pubertät und darüber hinaus am Ball geblieben, hat einen der begehrten Plätze an einer renommierten Musikhochschule ergattert, sein ganzes junges Leben der Professionalisierung verschrieben, und dann sagt ihm jemand: „Schön, dass du mit deinem Studium jetzt fertig bist, wir brauchen dringend Musikschullehrer.“

Hallo?!? Natürlich darf dieser Mensch sagen, er sei zu gut für Pädagogik! Vielleicht könnte er oder sie es etwas diplomatischer formulieren, damit nicht der Eindruck entsteht, das professionelle Musikertum sei – in welcher Form auch immer – höherwertig als die Kunst der Pädagogik, denn das ist es nicht. Er könnte also genauso gut sagen: „Sorry, Pädagogik liegt mir nicht so, darin bin ich nicht gut genug.“ Vergleiche sind halt immer eine Frage des Standpunkts…

Stellen wir uns, um es anschaulich zu machen, eine Gruppe sechsjähriger Kinder vor, die gern Blockflöte lernen möchten. Was brauchen diese Kinder?

Zunächst einmal brauchen sie einen Menschen, der aus eigener Erfahrung weiß und damit umgehen kann, wie ganz normale Kinder ticken. Das bedeutet zum Beispiel, dass dieser Mensch damit klarkommen muss, wenn ein Kind mit einem aufgeschlagenen Knie zum Flötenunterricht kommt, wenn zwei Kinder sich auf dem gemeinsamen Weg zum Unterricht so richtig in die Haare bekommen haben oder wenn ein schüchternes Kind den Unterrichtsraum nicht ohne seine Mama betreten will.

Muss dieser Mensch professionell Blockflöte spielen können? Oder ist Musikpädagogik für den Anfang erstmal ein Handwerk, das jeder Mensch erlernen kann?

Um diese und ähnliche Fragen, um Zahlen, Daten und Fakten zum Beruf der Blockflötenlehrerin/des Blockflötenlehrers sowie um kreative Ideen für einen ganzheitlichen Blockflötenunterricht von Anfang an geht es in der KREALOGOS Musikwerkstatt. Schön, dass du hier bist!

Eine fröhliche neue Frühlingswoche wünscht dir

Dagmar

PS: Du möchtest mehr wissen?

  1. Ausführliche Informationen zur MiKADO-Studie findest du auf der Seite des Deutschen Musikrats.
  2. Wenn du ab jetzt keinen Blog-Beitrag der KREALOGOS Musikwerkstatt mehr verpassen möchtest, melde dich gern zu unserem Newsletter an. Dann erhältst du alle Beiträge sowie jeweils aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Kursen direkt in dein E-Mail-Postfach.
  3. Du magst lieber kurze und knappe Social Media Posts als ausführliche Blog- und Newsletter-Texte? Dann findest du uns auch auf Instagram, und zwar unter dem Titel musik_ist_bunt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert